Corrillo Ultras – Red Bull und der Fußball

06/03/2016

Die folgenden Zeilen sind weit mehr als die üblichen und viel gehörten Kritiken an RB. Wer beispielsweise in Zukunft von Freunden oder Bekannten Sätze wie „der SC hat doch auch Sponsoren – alles halb so wild“ zu hören bekommt, findet hier Anhaltspunkte für eine fundierte Gegenargumentation. Wer sich darüber hinaus klarmachen möchte, was die gegenwärtige Entwicklung des Fußballs in nicht allzu ferner Zukunft für den Sport-Club bedeuten wird, der sollte sich 5 Minuten Zeit nehmen um diesen Text zu lesen.

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Einleitung

RB Leipzig hat den Profifußball in Deutschland erreicht. Eigentlich war es abzusehen und jedem von uns war klar, dass es eines Tages leider dazu kommen wird. Nun ist es also soweit, Heimspiel gegen RB Leipzig. Die öffentliche Diskussionen über dieses Projekt, Konstrukt oder wie auch immer man es nennen mag, wird in der Vergangenheit vermutlich jeder mitbekommen haben. Wir haben bereits die vergangenen Heimspiele genutzt, um in unserem Spieltagsflyer „Nord-Mitte-Unten“ über diese Thematik zu berichten. Gebündelt wollen wir nun mit diesem Flyer möglichst alle Fans des Sport-Clubs erreichen, um unsere kritische Auffassung auf den Konzern Red Bull, dessen Marketingaktivitäten im Sport, insbesondere im Fußball, mitzuteilen.

Nachdem wir das Unternehmen näher betrachtet haben und verstehen wie dieses „tickt“, werden wir uns zunächst dem Einstieg von RB in den österreichischen Fußball widmen. Dies ist interessant, um Parallelen zum Einstieg in Leipzig zu erkennen. Was diesen angeht, wollen wir vor allem auch jene Instanzen, Gesetze und Regelungen hervorheben, welche den Aufstieg von RB verhindern hätten können, ja vielleicht sogar müssen. Es wird herausgearbeitet, wer Verantwortung hierfür übernehmen muss und somit ebenfalls kritisiert werden sollte. Denn bei all der Kritik an diesem Unternehmen und seinem Fußballclub wird unserer Meinung nach oftmals gerne vergessen, dass es diverse Verbände, Behörden und Einzelpersonen waren, welche dieses Projekt in seiner heutigen Form schlussendlich erst möglich machten.

Abschließend wollen wir unsere Positionierung in Bezug auf RB darlegen und unsere Forderungen, Erwartungen und Hoffnungen an den Sport-Club, die Verbände und auch an die SC-Fans darlegen.

Das Unternehmen Red Bull und dessen Marketingkonzept

Beginnen wir zunächst mit Äpfeln und Birnen. Unter der Abkürzung „RB“ verbirgt sich das Unternehmen „Red Bull“. Der Österreicher Dietrich Mateschitz gründete 1984 die Red Bull GmbH mit Hauptsitz im österreichischen Fuschl am See. Zu dieser Zeit waren Energy-Drinks in Europa weitestgehend unbekannt, ganz im Gegensatz zu Südostasien, wo die Drinks bereits weit verbreitet waren. Mateschitz wurde auf einer Dienstreise darauf aufmerksam und erwarb schließlich die Lizenzrechte an einer thailändischen Marke, deren Name sich in etwa mit „roter Stier“ übersetzen ließ. Heute ist das Unternehmen weltweit bekannt und fährt auf Konzernebene Milliardenumsätze ein. Red Bull wird meistens als Getränkehersteller betitelt, was bei genauer Betrachtung jedoch nicht wirklich korrekt ist. Es handelt sich vielmehr um eine Verkaufsmaschine, denn die weltweit etwa 7000 Mitarbeiter arbeiten beinahe alle ausschließlich im Marketing und Vertrieb. Die eigentliche Produktion, Abfüllung und Logistik übernehmen externe Dienstleister.

Ein Blick auf die Homepage des Unternehmens bestätigt diese Beobachtung. Auf der gesamten Startseite lässt sich kein einziger Hinweis auf das vermeintliche Produkt, den Energy Drink aus der Dose, erkennen. Vielmehr werden gesponserte Events, Sportler oder Musiker angepriesen. Das Kerngeschäft liegt nicht in der Produktion des Getränks, sondern in der Pflege der Marke und dessen Steigerung. Es ist der Firmenwert, im Fachjargon auch als „Goodwill“ bezeichnet, der das Unternehmen so wertvoll macht. Darunter ist die Differenz zu verstehen, welche entsteht, wenn bei einer Übernahme des Unternehmens der Kaufpreis den Wert der Vermögensgegenstände abzüglich der Schulden übersteigt. Dieser Wert, der Ausbau der Marke und nicht etwa die Anzahl der verkauften Dosen, ist das Herz von Red Bull. Im Gegensatz zu anderen Großunternehmen nahm Red Bull hierfür aber keine bekannten Superstars unter Vertrag. Vielmehr spezialisierte man sich zunächst auf eine Nische: die Extremsportarten. In diesem Bereich ist RB omnipräsent und sponsert so ziemlich jedes Event oder angesagten Star. Egal ob Surfer, Biker, Skater, Flieger, Snowboarder, Breakdancer: RB hat sie alle. Doch gerade der Extremsport birgt auch reichlich Gefahr. So sind bei Red Bull Veranstaltungen in den vergangenen Jahren bereits mehrere Sportler tödlich verunglückt. Sicherlich kann man argumentieren, dass es in der Natur mancher dieser Sportarten liegt, sich in Lebensgefahr zu begeben. Jedoch muss sich RB auch den Vorwurf gefallen lassen, ihre Sportler zu immer spektakuläreren aber auch gefährlicheren Aktionen zu „motivieren“.

Red Bull und der Fußball: Ein Blick nach Österreich

Doch neben den Extremsportarten entdeckt das Unternehmen immer mehr jene Sportarten, welche ganze Massen in ihren Bann ziehen. So unterhält RB gleich zwei Rennställe in der Formel 1 und auch Eishockey-Vereine, beispielsweise in München. Aber lasst uns endlich zum Fußball kommen. Derzeit besitzt Red Bull vier Fußballvereine, die den Firmennamen vollständig im Vereinsnamen tragen: FC Red Bull Salzburg, New York Red Bulls, Red Bull Ghana sowie Red Bull Brasil. Auf die Teams in New York, Ghana und Brasilien wollen wir im Folgenden nicht näher eingehen, jedoch lohnt es sich, die Übernahme von RB in Salzburg genauer zu betrachten. Diese gibt tiefe Einblicke in die wahre Motivation des Unternehmens, dessen Logik und Denkweise, aber auch Berechenbarkeit und Kälte. Dies soll für die spätere Betrachtung vom Standort Leipzig von Vorteil sein.

Im Sommer 2005 stieg die Red Bull GmbH bei der verschuldeten Salzburger Austria als Sponsor ein. Dies wurde zunächst von großen Teilen der Fans als positiv wahrgenommen, jedoch war zu diesem Zeitpunkt wohl noch niemandem bewusst, welches Ausmaß hinter diesem Einstieg steckte. Etwa zwei Monate nach dem Einstieg wurde auf der Mannschaftspräsentation deutlich, wie wenig den neuen Eigentümer die Tradition des Vereins kümmert. So trug nicht nur der Vereinsname fortan den Namen des neuen Sponsors, auch wurden die Vereinsfarben (violett-weiß) komplett ausgetauscht. Ab sofort sollte zu Hause in rot-weiß und auswärts in blau gespielt werden. Auch sollte als Gründungsjahr 2005 und nicht mehr 1933 genannt werden, was erst nach Eingreifen der österreichischen Liga wieder rückgängig gemacht wurde, da nur somit eine Wahrung der Vereinsidentität (wovon abseits des Papiers jedoch nicht die Rede sein kann) vorliegt. Als komplett neu gegründeter Verein hätte man in der untersten Spielklasse starten müssen, was wohl kaum in die normale Halbwertszeit eines Managers gepasst hätte. Klar wird, dass RB mit dem ursprünglichen Verein absolut nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollte. Die Austria sollte ausschließlich als Lieferant für die Bundesligalizenz dienen.

Als Reaktion darauf wurde von einigen Fans die „Initiative Violett-Weiß“ gegründet, mit dem Ziel, die Tradition des SV Austria Salzburg auch bei Red Bull Salzburg beizubehalten. Anfangs stieß man bei den neuen Verantwortlichen mit seinen Forderungen auf taube Ohren. Erst nachdem die erwarteten Ergebnisse auf dem Rasen ausblieben und die Medien zunehmend über den „Farbenstreit“ berichteten, kam man zu Gesprächen zusammen. Das Ergebnis war, man kann es nicht anders sagen, lächerlich: Als Zugeständnis bot man den Fans an, das Logo des Trikot-Herstellers violett zu färben, ebenso die Kapitänsbinde und Torwartstutzen. Nachdem die Initiative daraufhin die Gespräche abbrach, hatten die neuen Verantwortlichen vermutlich ihr Ziel erreicht. Nun konnten sie die Fans in der Öffentlichkeit als „Ewiggestrige und Radaubrüder“ diffamieren. Nur wenige Monate später ließen die Fans am 7. Oktober den „Sportverein Austria Salzburg“ in das Vereinsregister eintragen und gründeten bzw. wiederbelebten somit ihren eigenen Verein. Auf dessen Werdegang soll nun nicht weiter eingegangen werden. Nur so viel, innerhalb von 10 Jahren ist die Austria aus der untersten Spielklasse in die zweithöchste Spielklasse aufgestiegen und somit wieder im Profigeschäft angekommen. Vielleicht ging dieser rasante Aufstieg etwas zu schnell, derzeit steht der Verein mit hohen Schulden mit dem Rücken an der Wand. Über die Jahre hinweg hatten die Fans immer mehr an Einfluss verloren bzw. ihr Vertrauen vermutlich in die falschen Führungskräfte gesteckt. Es bleibt ihnen in jedem Fall zu wünschen, dass die Geschichte dieses Vereins weitergeht und er sich in Zukunft wieder besser aufstellen kann.

Die Gründung von RB Leipzig

Nach Österreich nun also auch Deutschland. Der ganz große Wurf blieb in den vergangenen Jahren in Salzburg aus. Zwar wurde die Meisterschaft seit 2005 ganze sechs Mal gefeiert. Das große Ziel, die Teilnahme an der Champions League, für die man sich in Österreich selbst als Meister erst qualifizieren muss, jedes Mal aufs Neue erfolgreich vermasselt. Doch die CL soll langfristig mit einem RB-Team besetzt werden. Im Frühjahr 2011 äußerte sich Dietrich Mateschitz wie folgt: „Wir bauen RB Leipzig mit dem Ziel auf, in drei bis fünf Jahren in der Bundesliga zu spielen. Wir wollen auch in der Champions League dabei sein“. Aktuell scheint der Plan, zumindest was die Bundesliga angeht, realistisch. RB Leipzig führt die Tabelle nach 23 Spieltagen vor unserem Sport-Club an. Doch wie kommt es, dass ein Club in solch einer kurzen Zeit quasi aus dem Nichts an der Tür der 1. Liga klopfen kann? Betrachten wir nun also die Gründung von RBL und den Werdegang der vergangenen Jahre. Auch wollen wir besonders jene Regeln und Institutionen beleuchten, welche diesen Aufstieg vielleicht hätten verhindern können.

Vor knapp sieben Jahren, im Mai 2009, wurde RasenBallsport Leipzig e.V. gegründet. Verwundert wird sich so mancher die Augen beim Kürzel e.V. („eingetragener Verein“) reiben. Jedoch wurde die Lizenzspielerabteilung sowie die Nachwuchsabteilungen bis zur U16, also die gesamte Fußballabteilung, mit dem Aufstieg der ersten Mannschaft 2014 in die „RasenBallsport Leipzig GmbH“ ausgegliedert. Deren Gesellschafter ist wiederum zu 99% die Red Bull GmbH und zu einem Prozent der Verein. Doch zur Struktur später mehr.

Bereits 2006 versuchte der Konzern in Leipzig Fuß zu fassen. RB war allerdings mit der Übernahme des FC Sachsen Leipzig gescheitert. Der FC Sachsen Leipzig spielte damals in der Oberliga, da es noch keine 3. Liga wie heute gab, also in der vierthöchsten Spielklasse. Der Versuch scheiterte, da sich Clubs der obersten vier Spielklassen dem DFB-Lizensierungsverfahren unterziehen mussten. Der DFB legte zu diesem Zeitpunkt ein Veto ein, da er eine zu große Einflussnahme des Investors befürchtete. Auch hätte die geplante Umbenennung in „Red Bull Leipzig“ gegen die Statuten des DFB verstoßen, welche die Änderung des Vereinsnamens zugunsten eines Sponsors verbietet. Was also tun? Richtig, man suchte eine Möglichkeit um diese Regelung zu umgehen und wurde in der 5. Liga (also in der Oberliga) fündig, da in dieser die DFB-Lizenzbestimmungen nicht mehr gelten. Auf der Suche nach einem geeigneten Übernahmeverein stieß man schließlich auf den SSV Markranstädt, ein Oberligist in einer Randgemeinde von Leipzig. Red Bull gründete also 2009 den „RasenBallsport Leipzig e.V.“, übernahm das (erkaufte) Spielrecht vom SSV Markranstädt und startete in der Saison 2009/2010 in der Oberliga.

Die Rolle von Verbänden, Regelungen und Funktionären

Genehmigt wurde die Übernahme des SSV Markranstädt durch verschiedene Behörden und Verbände, wie etwa der Finanzdirektion, dem Landesfußballbund sowie dem sächsischen Fußballverband. Wie dies geschehen konnte, stößt bei uns auf Unverständnis. In den Regularien des sächsischen Fußballverband heißt es beispielsweise: „Die Neugebung (…) von Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung sind unzulässig“. Komisch, wie kann ein Logo mit zwei roten Stieren und einer Abkürzung im Sinne des Firmennamens nicht als Werbezweck verstanden werden?

An dieser Stelle wird es nun spannend. Klar und nachvollziehbar ist, dass die Stadt Leipzig mit blinkenden Euroscheinen in den Augen dem RB-Projekt wohlgesonnen war. Doch was ist mit den Fußball-Verbänden? Deren Vertreter ließen immer wieder deren positive Haltung gegenüber RB und den geplanten Aktivitäten in Leipzig durchblicken. Bei genauerem Hinblicken lässt sich auch vermuten warum. So war beispielsweise der aktuelle DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock von 2006 bis 2008 Geschäftsführer bei Red Bull Salzburg. Hoppla! Laut DFB-Homepage ist der Generalsekretär der höchste Hauptamtliche innerhalb des DFB und ist ebenfalls stimmberechtigtes Mitglied des DFB-Präsidiums (Anm.: Sandrock trat am 25. Februar 2016 von diesem Amt zurück). Mit Hinblick auf die Entscheidungen innerhalb des Präsidiums und Vorstandes des DFB ist er als Generalsekretär für die fachliche Vorbereitung sowie konkrete Entscheidungshilfen verantwortlich. Ein ehemaliger RB-Funktionär ist höchster Hauptamtlicher und stimmberechtigtes Mitglied im DFB-Präsidium? Man muss kein Halunke sein, um hier Böses zu denken.

Doch es wird noch besser. Scheinbar ist auch ein Wechsel in die andere Richtung kein Problem. Ulrich Wolter, heute immer noch Mitglied des dreiköpfigen Vorstandes bei RBL, wechselte 2012 vom DFB nach Leipzig, um dort als Geschäftsführer anzufangen. Auf die Frage, ob man ihn aufgrund seiner Kontakte zum Verband geholt habe antwortete Wolter: „Gute Verbindungen sind nie abträglich“. Womit er Recht hat, allerdings sind sie in diesem Zusammenhang auch ziemlich widerlich. Und als ob dies noch nicht reichen würde um sämtliche Statuten und Regeln mindestens bis in den letzten Winkel auszunutzen, kommt auch noch Kaiser Franz („never, never ever came come everybody somebody to offer me something“) immer wieder um die Ecke und wird nicht müde seinem Freund Mateschitz zur Seite zu stehen. Doch handelt es sich hierbei wirklich nur um einen Freundschaftsdienst? Könnte ein Beckenbauer in seiner Funktion als Ehrenpräsident beim FC Bayern vielleicht selbst großes Interesse am Aufstieg von RB haben? In der derzeitigen Diskussion um die Vermarktungsrechte der Bundesliga spielt schließlich deren Attraktivität eine wichtige Rolle, welche gerade im Ausland durch RB zunehmen könnte. Davon würde auch der FC Bayern als Branchenprimus profitieren.

Ein Rätsel bleibt, warum beispielsweise auch Rainer Calmund immer wieder ein dickes Wort in der Presse für RB einlegt. Uns ist jedenfalls nicht bekannt, dass RB auch Schnitzel herstellt…

Das Konstrukt stinkt jedenfalls bis zum Himmel. Doch genug mit den Mutmaßungen. Was kann man RB, abseits von Profitgier und Marketinggeilheit, konkret vorwerfen? Der vermutlich größte Streitpunkt ist die geschickte Umgehung der sogenannten „50+1 – Regel“, eine Regel der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Diese soll verhindern, dass Investoren nicht die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen können, in welche die Vereine ihre Profimannschaft ausgegliedert haben. Erlaubt ist es jedoch, dass die Investoren die Mehrheit des Kapitals besitzen. Laut dieser Regel können sich Investoren also maximal 49% der Stimmanteile erkaufen. RB hat es geschafft, 99% des Stammkapitals durch die Red Bull GmbH in die Sportabteilung zu pumpen. Für die Stimmenmehrheit sorgen jedoch gerade einmal 14 stimmberechtigte Vereinsmitglieder, welche allesamt aus dem RB-Umfeld stammen. Geradezu lachhaft wirkt die Aussage des DFL-Geschäftsführers Andreas Rettig: „Der Satzung des Ligaverbandes liegt das Leitbild eines offenen Vereins zugrunde. Die nun zugesagten Änderungen der Mitwirkungs- und Gestaltungsrechte der Vereinsmitglieder erfüllen diese Anforderung“. Mittlerweile ist es möglich, Mitglied bei RBL zu werden, jedoch nicht wie bei uns mit Stimmberechtigung. Möglich ist lediglich eine Fördermitgliedschaft ohne Stimmrecht. Je nach Zahlungsbereitschaft gehen damit „Vorteile“ wie ein Begrüßungspaket (enthalten in der 100 Euro – Mitgliedschaft), ein Treffen mit der Mannschaft (Silber Paket, 500 Euro im Jahr) oder die Übergabe eines Fan-Shirts durch den Lieblingsspieler (Gold Paket, 1000 Euro jährlich) einher. Ein offener Verein sieht für uns auf jeden Fall anders aus! Dies bestätigt auch §4 Nr. 9 der Lizensierungsordnung der DFL, welcher die Vereine dazu verpflichtet, gewisse Mindestvoraussetzungen in Bezug auf die demokratische Mitbestimmung bei der Wahl der Vereinsführung einzuhalten. Wir fragen uns, was ist das für eine Demokratie, in der ausgewählte Angestellte des Investors Entscheidungen treffen?

Auch in Hinblick auf die Transfers nutzen die RB-Vereine ihre Organisation aus. So wechselte im Sommer 2014 das Toptalent Marcel Sabitzer von Rapid Wien nach Leipzig um dann direkt nach Salzburg verliehen zu werden. Durch eine Vertragsklausel war ihm ein direkter Wechsel innerhalb Österreichs nicht möglich gewesen. Doch nicht nur zwischen Leipzig und Salzburg können nun auf diese Art und Weise Spieler hin und her geschoben werden. Red Bull besitzt auch die Kontrolle am FC Liefering, welcher RB als sogenanntes „Farmteam“ dient. Dies hat den Hintergrund, dass die 2. Mannschaft von RB nicht in die zweithöchste Spielklasse aufsteigen könnte. In dieser spielt aber der FC Liefering, wo fortan auf höchstem Niveau Spieler und Trainer ausgebildet werden. Wohlgemerkt auf Kosten kleinerer österreichischer Vereine.

Gedankenspiele Marketingkonzept

Auf Kosten kleinerer Vereine wird sich auch der Aufstieg von RB und möglicher Nachahmer in Deutschland auswirken. Sicher wird sich dadurch das spielerische Niveau etwas anheben und der „Marke Bundesliga“ zu noch mehr Bekanntheit verhelfen. Die Verantwortlichen von RB, allen voran Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick, argumentieren immer, dass sie langfristig eine Bereicherung für die Liga sein werden. Doch stimmt das wirklich?

Für was gehen wir jedes Wochenende in die Stadien, sitzen vor dem Radio oder in der verqualmten Kneipe? Wenn das Topspiel am Samstag Abend zukünftig Ingolstadt gegen Leipzig lautet, gute Nacht (leider sehr wahrscheinlich). Klar ist dann das Niveau vielleicht besser als bei Darmstadt gegen Frankfurt, aber ganz ehrlich, wer will so ein scheiß Spiel denn bitte sehen? Noch sind wir nicht in England, wo der (gut zahlende) asiatische Kunde via Pay-TV und angepasster Sendezeit (der Begriff „Anstoßzeit“ passt hier weniger) dem vermeintlichen Topspiel hinterher eifert.

Doch wo war in den vergangenen Jahren das Aufbäumen der (kleinen) Vereine? Immer mehr Vereine haben ihre Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert. In der Bundesliga spielen größtenteils nicht mehr eingetragene Vereine, als Zusammenschluss vieler verschiedener Menschen, sondern (gewinnorientierte) Unternehmen. Auch wenn wir diese Entwicklung sehr kritisch sehen, spielen wir dieses Spiel einmal mit und stellen einen einfachen Vergleich zur Wirtschaft her.

Hier steht ein Unternehmen im ständigen Wettbewerb zu anderen Unternehmen. Dringt nun ein neues Unternehmen von außen in den Markt, erhöht sich der Wettbewerb. In diesem Fall verstärkt sich die Konkurrenzsituation innerhalb des Marktes und der Kampf um das Überleben beginnt. Ist ein Unternehmen nicht innovativ genug oder hat verglichen mit den anderen deutlich geringere finanzielle Mittel, droht der Verlust von Arbeitsplätzen oder gar das Aus.

Beim Sport-Club sind unsere Innovationen im übertragenen Sinne die Fußballschule, die immer wieder neue Talente zum Vorschein bringt. RB ist ein neuer Wettbewerber auf dem Markt, der eigentlich aus einer ganz anderen Branche kommt. Dadurch hat RB, wie wir alle wissen, deutlich mehr finanzielle Mittel, die unsere „Innovationen“ in den Schatten stellen.

Langfristig werden wir uns als Sport-Club gegen diesen Wettbewerber nicht durchsetzen können. Dies gilt nicht nur für den Sport-Club, sondern auch für den Großteil der anderen Bundesligaclubs. Werfen wir wieder einen Blick auf die Wirtschaft. Tritt ein finanziell übermächtiges Unternehmen in einen neuen Markt, würden die anderen Unternehmen versuchen, dies zu verhindern. Denn sie wissen, dass der neue Wettbewerber ihre Existenz gefährdet. In der Regel ist es jedoch sehr schwer dies zu verhindern. Doch in unserem Beispiel wäre es durchaus möglich gewesen. Denn in der DFL regeln die Vereine ihren „Fußballmarkt“ in erster Linie selbst und machen ihre eigenen Regeln. Doch in dieser Richtung ist kaum etwas geschehen. Schade.

Die bittere Realität

Mittlerweile steht RB an der Tabellenspitze, der Durchmarsch in Liga 1 ist so gut wie sicher und die Ambitionen in den nächsten Jahren hoch: der Champions-League-Gewinn sei nicht ausschließbar, sagt RB Boss Mateschitz. RB wird sich fest in der Bundesliga etablieren.

Es ist jetzt an der Zeit dafür zu sorgen, dass RB nicht als Vorbild für weitere Unternehmen dient. Dabei sehen wir auch den Sport-Club in der Pflicht. Denn sollte dies der Fall sein und es werden noch weitere Unternehmen wie RB kommen, welche die Bundesliga als attraktives Marketingfeld ausnutzen wollen, dann werden wir langfristig unsere Position im deutschen Profifußball verlieren.

Was nun, was tun?

Es ist zu erwarten, dass RB in Zukunft fester Bestandteil der Bundesliga sein wird. Ein Blick auf die gegenwärtige Kritik vieler Fans bei Spielen gegen RB zeigt, dass diese sich hauptsächlich auf die allgemeine Ablehnung RBs konzentriert. Wir sind der Meinung, dass es an der Zeit ist einen Schritt weiter zu denken. Es wird realistisch gesehen leider nicht möglich sein zu verhindern, dass sich RB in der oberen Tabellenhälfte der Bundesliga etabliert. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man RB auch nur in irgendeiner Art und Weise akzeptieren sollte. Jedoch sollte es auch allen Fans klar sein, dass es unrealistisch ist durch „Dosen in den Müll“ Forderungen irgendeine Verbesserung erzielen zu können.

Was wir vom Sport-Club Freiburg e.V. fordern:

  • Der Sport-Club soll sich in Zukunft aktiv und öffentlich dafür einsetzen, dass nicht weitere Unternehmen wie RB den Weg in den Profifußball finden
  • Klare und öffentliche Positionierung des SC gegen RB Leipzig. Damit geht einher, dass keinerlei Sympathien seitens des Vereins gegenüber RBL gezeigt werden
  • Keine Ausrichtung von Testspielen gegen RB-Teams
  • Suche nach Kooperationen sowie Austausch mit Vereinen, welche eine ähnliche Struktur und Philosophie wie die des Sport-Club Freiburgs vorweisen. Daraus resultierend gemeinsames Bündnis gegen die Entwicklung des Fußballs
  • Fokussierung und Beibehaltung der bisherigen Vereinsphilosophie: d.h. langfristige und nachhaltige Planung in Bezug auf Finanzen sowie Spieler. Aufrechterhaltung der Vereinsstruktur. Stimmberechtigte Mitglieder als essenzieller Bestandteil und Rückgrat des Vereins
  • Verzicht auf „Marketing-Experimente“ wie bspw. die rosa-blauen Europa League-Trikots oder die derzeitigen lila Ausweichtrikots

Was wir von den Verbänden fordern:

  • Konsequente Umsetzung und Aufrechterhaltung des bestehenden Regelwerkes hinsichtlich dem Einstieg und der Einflussnahme von Investoren
  • Keine Ausnahmeregelungen für den Einstieg von Investoren
  • Keine Besetzung von Ämtern mit ehemaligen RB-Funktionären oder Funktionären mit vergleichbarem Hintergrund
  • Grenzen des „Wachstums“ festlegen. Arbeit im Sinne der Menschen und Fans und nicht im Sinne des maximalen Profits

Was wir von den SC Fans erwarten:

  • Gewissenhafte, kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Entwicklung des Fußballs, welche anschaulich durch RB vorangetrieben wurde
  • Bewusstmachen, dass Konzerne wie RB die Existenz des Sport-Clubs im Profifußball langfristig gefährden
  • Interessenabwägung zwischen einem ehrlichen Fußball, bei dem die Menschen (also auch die Fans) im Mittelpunkt stehen – oder einem nach kapitalistischen Zielen folgenden Fußball, bei dem nicht Menschen, sondern ausschließlich Konsumenten im Mittelpunkt stehen
  • Mitglied im Verein werden, aktive Mitbestimmung der Vereinspolitik

Zusammenfassung

Ganz egal ob man nun Fan oder Verantwortlicher ist, jeder sollte sich Gedanken darüber machen, wie sich der Fußball auf der einen Seite entwickeln sollte und in welche Richtung, im Gegensatz dazu, er sich auch entwickeln könnte. Nicht nur wir Fans sollten ein großes Interesse daran haben, dass der Sport-Club auch noch in ferner Zukunft im Profifußball mitmischen kann. Auch die Verantwortlichen innerhalb des Vereins sollten sich ihrer Verantwortung gegenüber uns Mitgliedern, aber auch gegenüber ihrem derzeitigen Arbeitgeber, bewusst sein und auf dessen Bestehen hinarbeiten.

Der Aufstieg eines Teams geht immer mit dem Abstieg eines anderen einher – seid euch dessen bitte bewusst.

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Kontakt CORRILLO ULTRAS

Ansprechen könnt ihr uns am besten am Vorsängerpodest auf der Nordtribüne oder bei Auswärtsspielen des Sport-Clubs. Zudem könnt ihr uns per E-Mail kontaktieren: info@corrillo.org

Aktuelle Informationen, Möglichkeiten uns zu unterstützen sowie Fotos zur Freiburger Fanszene, dem Sport-Club Freiburg und uns findet ihr unter www.corrillo.org.