München vs. Freiburg: 15.2. 12:00 Uhr im Fanprojekt

07/02/2014

Wir laden alle rechtherzlich am Samstag den 15.2. in das Fanprojekt (neben dem Uni-Stadion in der Schwarzwaldstraße) ein, das Spiel mit uns zu verfolgen. Ab 12 Uhr ist geöffnet und es gibt leckeres Essen. Kommt und lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen!
Im Folgenden haben wir unsere Beweggründe zum Boykott des kommenden Spiels gegen Bayern München nochmal ausführlich aufgeführt.

München. Ein Ort an dem die wundervollsten Tore fallen… aber der Fußball schon längst verloren hat.
Für uns gibt es nichts Schöneres als unseren Verein bei jedem Spiel vielfältig, laut und kreativ zu unterstützen und die Jungs im Stadion kicken zu sehen.

Am 15. Februar spielen wir in der Allianz Arena beim FC Bayern München, dem 23. fachen deutschen Meister. München – das Aushängeschild des deutschen Fußballs.

Eigentlich sollte ein Spiel bei den Bayern für einen Fußballfan ein voller Genuss sein und einer der Höhepunkte der Saison, doch seit dem Umzug in die Allianz Arena wurde dieser Spieltermin bei den Bayern zu einer reinen Qual, die für uns zur Folge hat unser Spiel am 15. Februar in München nicht zu besuchen. Es gibt nun zwei Fragen zu klären: Wieso ist das so? Wie gehen wir damit um?

Das Vorhaben der FC Bayern München AG
Die FC Bayern München AG wurde im Februar 2002 gegründet und bereits 1996 auf einer Mitgliederversammlung des FC Bayern München e.V. von dessen Mitgliedern abgesegnet. Ein langer Zeitraum, den die Bayern-Bosse zur Planung dieses großen Clous nutzten. Ende der 90er, der deutsche Fußball war weiterhin auf dem Vormarsch, Franz Beckenbauer versuchte erfolgreich die WM 2006 nach Deutschland zu holen und der FC Bayern München steckte seine langfristigen Ziele neu. Titel sollten nicht mehr das Nonplusultra für die Funktionäre sein, sondern nur noch Mittel zum Zweck. Es ging darum, die Gegebenheiten zu nutzen und sich langfristig das zu sichern, wovon so viele Funktionäre insgeheim und seit Jahren träumten und auch noch heute träumen. Das neue Ziel hieß eine kontinuierliche, rationale und ständige Profitmaximierung mit der Marke FC Bayern München.

Die drei möglichen Störfaktoren waren zum Anfang des 21. Jahrhunderts schnell gefunden: möglicher kurzfristiger sportlicher Misserfolg, die Fußball-Branche und die Fußballfans mit ihren „Werten“.

Gegen einen sportlichen Misserfolg half langfristig ein Mittel, das sich recht kühl kalkulieren und beschaffen ließ: Geld. Der Fußball ermöglicht es, sich mittel- und langfristig sportlichen Erfolg zu kaufen, der zum einen direktes und spürbares Geld in die Kassen spült – zum anderen dazu führt sein Produkt langfristig unantastbar zu machen.

Wie man eine Mannschaft zusammenkaufte, auf welche Trainer man zählen konnte, wie man sich eine Jugend zusammenwürfelt und kauft, die jedes Jahr 1-2 Supertalente ausspuckte und vor allem zu welchem Zeitpunkt man Geld für Neuverpflichtungen in die Hand nehmen musste – das war das Handwerk, dass das Team aus Rummenigge, Hoeneß und Beckenbauer wie kein Anderes beherrschte.

Um ein Produkt möglichst profitabel und langfristig zu etablieren, muss man neben, über und unter sich blicken. Im Fußball-Business blicken wir also auf die Konkurrenten, die DFL und den DFB sowie auch die UEFA und FIFA. Bei der FIFA und UEFA waren die Signale schon lange und offensichtlich gesetzt: Dem Ausverkauf des Fußball-Sports werden keine Grenzen gesetzt. Symbolisch für diese Marschrichtung durch die „kontroverse Wahl“ von Sepp Blatter im Jahr 1998 zum FIFA-Präsidenten.

Für den DFB und die DFL war und ist der FC Bayern München ein Segen und es würde dessen großen Vorhaben niemand Steine in den Weg legen wollen. Auch konnte es zu einem entscheidenden Beitrag zum Aufstieg des deutschen Profifußballs im Vergleich zu den europäischen Ligen werden. Die Umstände, unter denen Hoeneß und Anhang ihr Produkt FC Bayern München zukünftig platzieren wollten, waren zum damaligen Zeitpunkt also gut berechenbar. Stabilität, überdurchschnittliches Wachstum und Exklusivität waren im Vorfeld kalkulierbare Rahmenbedingungen. Dazu kommt der ständig wachsende asiatische Markt.

Der dritte, unberechenbare Faktor waren die Fans. Die Erfahrungen zeigten, dass diese ungreifbare „Masse“ schnell eine Stimmung erzeugen kann, die den einen oder anderen Kopf von Fußballvereinen kosten könnte. Auch können sie in den Augen vieler Funktionäre das Bild in der Öffentlichkeit sowie den gesamten Ruf eines Vereins beschmutzen und damit seine Attraktivität senken. Die Grundlage für diese Möglichkeiten der Fans sind die Stadien. In den Stadien kommen die Massen zusammen, hier schmettern die Schlachtrufe von den Stehrängen und entstehen sogenannte „negativ Schlagzeilen“ der unkalkulierbaren Art. Den Funktionären des FC Bayern München war klar, dass ihr Plan des unternehmerischen FC Bayern München für viel Frust bei Fußballfans sorgen würde und diese ein langfristiger Störfaktor werden würden. Egal ob Heim- oder Gästeanhang.

Fußballfans, der Faktor der jahrelang für den Erfolg und das Besondere dieser Sportart gesorgt hat.

In der Zukunftsmusik, die durch die Köpfe der Funktionäre läuft, spielen die fanatischen Anhänger im Stadion keine ausschlaggebende Rolle mehr, sie sind schlichtweg nicht notwendig.

Doch ist die Kulisse, vor der ein Fußballspiel stattfindet, äußerst ausschlaggebend für den Erfolg der Vereine. Ein Spiel „meines“ Vereins im „eigenen“ Stadion zu sehen – das ist die große Gemeinsamkeit von Fußballfans und Kunden. Der FC Bayern München entschloss sich einen Magnet zu bauen, der Millionen Menschen in den nächsten Jahrzenten anziehen sollte, auch ohne spezielle Fußballatmosphäre:

Die Allianz Arena in München
Mit dem Bau der Allianz Arena errichtete der FC Bayern München einen architektonischen Superlativ der modernen Arenen in Europa. Diese Arena wurde zu DEM Symbol der WM 2006 und war somit von Baubeginn an ein Projekt, das hunderten Millionen von Menschen ein Begriff wurde. Gleichzeitig beförderte der FC Bayern München seine Gästefans in den letzten abgeschotteten Winkel der Arena und blendete diese möglichst aus. Vom ersten Spiel an wurden bezahlbare Tickets auf einem spürbaren Minimum gehalten. Auch Fahnen sind grundsätzlich auf eine Höhe von 1,5 Meter beschränkt. Die Einlasskontrollen und eingesetzten Sicherheitskräfte sowie dutzende negative Erfahrungen unsererseits verdeutlichen dieses Bild enorm: Der FC Bayern München sendet mit dem Einzug in die Allianz Arena ein deutliches Signal: „Wir brauchen keine Fans – der FC Bayern lebt von Kunden“. Statt einer lebendigen Südkurve stehen Marktanteile in Asien ganz oben auf der Agenda.

Diesen Schritt konnten bisher nur sehr wenige Vereine in einer so deutlichen Form gehen. Doch es liegt auf der Hand, dass dem viele Funktionäre nachziehen würden, wenn Sie die Möglichkeiten dazu hätten. Das grundsätzliche Streben nach Geld, Wachstum und Fortschritt sollte jedem Fan von Gesprächen oder Interviews seiner eigenen Funktionäre bekannt sein. Doch ihnen den schwarzen Peter zuzuschieben, wäre nicht korrekt. Sie handeln profitorientiert, weil sie mit ihrem Verein nicht anders überleben können. Wie oft haben wir alle schon Sätze wie „Da stand Sponsor-XY vor der Tür – was hätten wir auch anderes machen sollen?“ gehört. Die Kritik ist, dass sich der Fußball dem ständigen Wachstum hergegeben und viele seiner ausschlaggebenden Bereiche in die Hände des Kapitalismus gelegt hat. Hier steht der Fußball allerdings nicht alleine da. Die kapitalistische Wirtschaftsweise hat alle gesellschaftlichen Bereiche durchzogen – Kunst, Bildung, usw. Man könnte zumindest die Frage aufwerfen, inwiefern Fußballvereine heutzutage überhaupt in der Lage sind, sich diesem Prozess zu entziehen, ohne nicht schon bald ganz von der Bühne zu verschwinden.

Wir wollen mit unserem Boykott des Spieles beim FC Bayern München keine Abneigung gegenüber diesem Verein, dessen Anhänger oder der Funktionäre dahinter ausdrücken. Nein. Beim FC Bayern München wurden Grenzen überschritten, die wir so nicht mittragen wollen. Wir wollen Aufmerksamkeit erregen und mahnen: Der Fußball im Gesamten darf sich nicht weiter hemmungslos dem Wachstum und Geld hergeben. Der Fußball ist ein kulturelles Gut, dass seit vielen Jahrzenten ein elementarer Bestandteil der Gesellschaft ist. Angefangen bei den schier unzähligen Vereinen mit Jugendteams, über die Funktion als Identifikationsobjekt für Millionen von Menschen.

Wir haben uns schon letztes Jahr dafür entschiedenen, den nicht gerade üblichen Weg zu gehen und nicht mehr nach München zu fahren. Wir haben seit dem ersten Spiel in der Allianz Arena den Eindruck gewonnen, dass der Ablauf in München so optimiert wurde, dass der Fußball wie wir ihn lieben dort weder kurz noch mittel- oder langfristig wieder in den Fokus rücken kann, geschweige denn die Rolle der Fans. Wir sehen uns nicht als Maschinen an, die dafür zuständig sind aus Prinzip bedingungslos und überall ihren Verein zu unterstützten, nur weil wir uns als aktive Fans schimpfen. Die Aufgabe der Fans liegt hier aus unserer Sicht darin, Grenzen auszumachen und diese aufzuzeigen. Dies gilt nicht nur für das nun aufgeführte Beispiel des FC Bayern München, sondern prinzipiell.

Es gibt hier sicherlich unterschiedliche Ansätze und es ist wertvoll, wenn wir Fans uns breit aufstellen und an verschiedenen Stellen auf den Fußball und seine Entscheider einwirken. Wer sich uns anschließen will, ist am 15. Februar herzlich ins Fanprojekt in der Schwarzwaldstraße 171 eingeladen, das Spiel dort mit uns gemeinsam zu verfolgen. Wer Lust hat kann sich schon ab 12 Uhr einfinden, es gibt feine Corrillo-Küche und wir freuen uns auf euch!

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