Spruchbänder: SC Freiburg e.V. – FC St. Pauli v. 1910 e.V.

09/11/2025

Das Spiel gegen den FC St. Pauli fand am Jahrestag des zentralen Tags der Novemberpogrome, dem 09.11.1938, statt. Im Rahmen der Novemberpogrome ermordeten die Nationalsozialisten hunderte bis tausende Jüdinnen und Juden, zerstörten Synagogen, jüdische Wohnungen, Geschäfte und weitere Einrichtungen. Deshalb gedenken wir allen Opfern dieser schrecklichen Verbrechen sowie allen weiteren Opfern der nationalsozialistischen Gewalt, die in der Folge immer schrecklichere Ausmaße annahm. Erinnern heißt kämpfen — Für die Freiheit und Würde aller Menschen und gegen jene, die versuchen, das Gedenken an die Opfer des NS zu sabotieren, die nationalsozialistischen Verbrechen relativieren oder gar offenen Antisemitismus und Rassismus verbreiten.


Deutschlandweit stellten sich die Fankurven am 10. Spieltag gegen die populistischen Pläne der Innenministerkonferenz. Besonders gefährlich: Personalisierte Eintrittskarten und die Aufhebung der Unschuldsvermutung bei Stadionverboten. Zu ersterem gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Allen Beteiligten sollte bekannt sein, dass personalisierte Tickets weder praktikabel noch sinnvoll sind. Die Aufhebung der Unschuldsvermutung bei Stadionverboten kann als klarer Bruch mit rechtsstaatlichen Prinzipien gesehen werden. Schon bei der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens müssten Vereine demnach zukünftig ein Stadionverbot aussprechen. Dabei können wir ein Lied von singen, dass der Staatsapparat dazu neigt, Ermittlungsverfahren gegen aktive Fußballfans zu eröffnen, die anschließend mangels Beweisen und Schuld alle eingestellt werden. Es ist offensichtlich, dass durch diese Forderung zukünftig Stadionverbote mit der Gießkanne und durch die willkürliche Entscheidung von Einsatzleitern verteilt werden würden. Bei der „Sicherheits“debatte wird deutlich, dass Fakten für die Inenministerien scheinbar keine Rolle spielen. Der Dachverband der Fanhilfen hat dies zuletzt treffend zusammengefasst:

Der […] von der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) vorgestellte Jahresbericht zeigt deutlich rückläufige Zahlen. So wurden in der vergangenen Saison rund 22 % weniger Strafverfahren durch die Polizei eingeleitet. Ebenso wurden 17 % weniger Personen verletzt. Die Polizei musste 9 % weniger Arbeitsstunden rund um die Spieltage aufwenden. Diese positive Entwicklung wird durch eine Steigerung der Zuschauerzahlen um rund 1 Millionen noch einmal verstärkt. Jede Verletzung ist eine Verletzung zu viel. Setzt man die Zahlen ins Verhältnis zur der Gesamtzahl der Zuschauer, wird aber sehr deutlich, dass das Risiko, bei einem Besuch eines Fußballspieles verletzt zu werden, äußerst gering ist. Bei 25.260.000 Zuschauern in der vergangenen Saison wurden 1.107 Verletzte registriert. Das sind 0,00438 %. Somit können deutsche Stadien der ersten drei Ligen als überaus sicher gelten, sowohl was ihren baulichen Zustand angeht, als auch der Aufenthalt in ihnen selbst. Die einzig nennenswert steigenden Zahlen gibt es bei der Verwendung von Pyrotechnik. Die bereits laufende Debatte um die Abschaffung von Verbandsstrafen zeigt sehr eindrücklich, dass Fans und Vereine bei diesem Thema Vorschläge gemacht haben. Auch hier liegt es nun an den Verbänden, aber auch an der Politik, die ausgestreckte Hand zum Dialog endlich anzunehmen.

Die Stadien sind sichere Orte und es gibt keinen Grund für weitere unverhältnismäßige Maßnahmen gegen Fans. Die […] Zahlen der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze belegen dies erneut eindrücklich. Den von den Innenministern aktuell vorangetriebenen Plänen für drastische Verschärfungen bei der Vergabe von Stadionverboten sowie zur Einführung von personalisierten Eintrittskarten fehlt somit die faktenbasierte Grundlage. Dies zeigen die neuen Zahlen glasklar auf.

Alle Stadionbesucher haben somit ein Anrecht darauf, endlich zu erfahren, warum bei immer sicherer werdenden Stadien es nötig sein soll, wie geplant zukünftig personalisierte Eintrittskarte zu erwerben oder Stadionverbote mit der Gießkanne zu erhalten. Die Innenminister und Verbände müssen diesen Irrweg, der die Fankultur beerdigen würde, endlich beenden. Es muss Schluss sein mit der Geheimniskrämerei von Politik und Verbänden hinter verschlossenen Türen.

Lest dazu auch die Stellungnahme der Fanszenen Deutschlands, den Bericht zur großen Demo in Leipzig und unterstützt die Petition Der Fußball ist sicher!