Gabriel Winterer und Amt für öffentliche Ordnung lassen Konflikt um Megaphon und Vorsänger eskalieren

20/04/2017

Einzigartig ist in Freiburg nicht nur der Verein, seine Struktur und seine Werte. Einzigartig ist auch der verbitterte Kampf von Polizei-Einsatzleiter Gabriel Winterer gegen Freiburger Ultras und aktive Fans.

Winterer und seine Mitstreiter von der Polizei sowie dem Amt für öffentliche Ordnung versuchen seit Jahren die Fanszene zu kriminalisieren und mit allerlei Methoden einzuschränken. Die Methoden bewegen sich hin und wieder an den Grenzen der Rechtsstaatlichkeit, treten jedoch permanent demokratische Werte und Ansätze mit Füßen. Der Höhepunkt wurde 2014 erreicht, als mehrere Personen aus der Fanszene Meldeauflagen und Betretungsverbote erhielten, teils ohne auch nur eine Straftat zuvor begangenen zu haben. Dies sorgte Anfang 2015 dafür, dass das baden-württembergische Innenministerium die Freiburger Polizei rügte. Die Auswirkungen spürte die Fanszene direkt und die Polizei hielt sich mehrere Monate gegenüber der Fanszene zurück.

Lange hielt die Stille jedoch nicht an: Bereits im Mai 2015 versuchten die Freiburger Sicherheitsbehörden, unter Androhung polizeirechtlicher Konsequenzen, der Fanszene den Fußweg vorzuschreiben, den sie vom Fanprojekt zur Nordtribüne zu laufen haben.
Die letzten zwei Jahre folgten dann etliche Ermittlungsverfahren (die es in der Regel nicht weiter als unter den „eingestellt“ Stempel der Staatsanwaltschaft schafften), weitere Meldeauflagen und Betretungsverbote, zahlreich beantragte Stadionverbote (die jedoch nicht vom Verein durchgesetzt wurden) und zuletzt immer häufiger eingeleitete Ordnungswidrigkeitsverfahren.

In Freiburg bestimmt die Polizei sowie die Stadt den Rahmen, in welchem ein Heimspiel des Sport-Club Freiburg e.V. abläuft. Das bedeutet, dass wir keine klassische Stadionordnung vorfinden, sondern eine Polizeiverordnung, die sämtliche Dinge rund um einen Spieltag regelt. Angefangen von dem Verbot von Tieren im Bereich des Stadionumfelds, über die Länge von Fahnen, bis hin zu den Personen, welche ein Megaphon auf der Nordtribüne bedienen dürfen. Viele Dinge geschehen nur mit Ausnahmeregelungen, darunter auch die Duldung von einfachen Fahnen oder der Einsatz des Megaphons, welche von der Polizei in Zusammenarbeit mit dem Amt für öffentliche Ordnung getroffen werden.

Im Rahmen des Aufstiegs in Paderborn versuchten mehrere Fans diesen gemeinsam mit der Mannschaft auf dem Spielfeld zu feiern. Diese Fans wurden alle durch den SC Paderborn angezeigt, was von Seiten der Staatsanwaltschaft nicht ernst genommen wurde (die Ermittlungsverfahren wurden eingestellt). Dennoch nahmen Gabriel Winterer und seine Kollegen den Vorfall „versuchter Platzsturm bei Aufstieg des Sport-Club Freiburg e.V.“ zum Anlass, um unserem Vorsänger die Nutzung des Megaphons in der folgenden Saison zu verbieten, da auch dieser gemeinsam mit der Mannschaft am Spielfeldrand feierte.

Nun lässt Gabriel Winterer und die Freiburger Polizei die Debatte um den Einfluss von Ordnungsamt und Polizei auf die Nutzung des Megaphons eskalieren. Bisher musste die Nutzung von diesem beim Ordnungsamt beantragt werden. In der Praxis sah das so aus: Die Vorsänger haben eine Kopie des Personalausweises vorgelegt und gegenüber dem Sport-Club Freiburg e.V. in einem lockeren Gespräch unter den wachenden Augen eines SKB (Szenekundiger Beamter) auf der Nordtribüne versichert, dass Sie keine gewaltverherrlichenden oder rassistischen Gesänge anstimmen. Wer uns kennt kann sich vorstellen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Gesänge dieser Art von unserem Vorsänger angestimmt werden.

Beim Heimspiel gegen Augsburg kam es zu der Situation, dass keiner der üblichen Vorsänger der NBU im Stadion war und wir keinen Ersatz aus unseren Reihen stellen konnten. Dem oben beschriebenen Umstand geschuldet, dass unserem Vorsänger die Nutzung des Megaphons nicht mehr erlaubt wurde, haben wir uns dazu entschlossen, einen neuen Vorsänger aus unserer Gruppe zu stellen. Jedoch rückte die Polizei von der oben genannten gängigen Praxis ab und forderte den potenziellen Vorsänger zu einem Gespräch in den Räumlichkeiten des Polizeireviers Süd auf.

Dieses Vorgehen ist absolut nicht hinnehmbar, stellt es schließlich eine weitere Einschränkung seitens der Polizei dar. Wir sind bereit, uns der bisher gängigen Praxis anzuschließen, lassen uns aber nicht zu Marionetten machen. Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, das Gespräch bei der Polizei stattfinden zu lassen. Es handelt sich einzig um ein Machtspiel seitens der Polizei. Daher bleibt es abzuwarten, inwieweit es ab nächster Saison überhaupt noch einen Vorsänger auf der Nordtribüne geben wird, sollte dieses Gespräch ab sofort gängige Praxis werden.

Der Druck der Polizei beschränkt sich inzwischen jedoch nicht nur auf Heimfans. Im aktuellsten Fall wurden zwei Vorsängern des FC Schalke 04, die beim Pokalspiel gegen Villingen im Dreisamstadion auf dem Zaun der Südtribüne standen, jeweils 400 Euro Bußgeld aufgebrummt. Auch für Gästefans gilt in Freiburg: Das Nutzen eines Megaphons muss vor einem Spiel beim Sport-Club Freiburg angemeldet werden. Die beiden Vorsänger erhielten eine Ausnahmegenehmigung vom Verein, wie es laut SC Sprecher Philipp Walter bisher immer gehandhabt wurde. Die Polizei erstattete trotz Ausnahmegenehmigung Anzeige gegen die beiden Ultras. Bereits im März bekam der Vorsänger vom Hamburger SV wegen des gleichen Vergehens Post: Die Strafe hier lag im hohen dreistelligen Bereich. Da stellt sich die Frage, wer im Dreisamstadion das Hausrecht hat: Der Verein, die Polizei oder doch die Stadt?

Dieses Verhalten zeigt deutlich: Die Freiburger Polizei und stellvertretend Gabriel Winterer ist nicht an einer vielfältigen, bunten und lauten Fankultur in Freiburg interessiert. Stattdessen versuchen sie mit allen verfügbaren Mitteln den Ultras und aktiven Fans Steine in den Weg zu legen. Die Freiburger Polizei hat gemerkt, dass sie beim Sport-Club keinen großen Erfolg mit dem wahllosen Beantragen von Stadionverboten hat. Aus diesem Grund wird nun versucht, uns mit Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten einzuschränken oder zu bestrafen. Ein Vorgehen, das die Verbitterung der Freiburger Polizei offenbart.

CORRILLO ULTRAS

Flyer vom Heimspiel gegen Köln

13/02/2017

Was es mit dem Spruchband „Love Football – Hate Mondays“ auf sich hat und was es neues bei unseren Freunden in Kairo gibt. Nicht zu vergessen eine Danksagung an alle, die für unsere Choreo beim Heimspiel gegen Bayern gespendet haben. Das alles, und noch viel mehr, steht im Flyer vom Heimspiel gegen Köln.

#20 SCF vs. Köln

Flyer online

29/01/2017

Der Flyer vom Heimspiel gegen Hertha ist online. Neben einem Hinrundenrückblick informiert die Initiative Stadion in Freiburg über den aktuellen Stand zum Stadionneubau. Außerdem setzen wir uns kritisch mit der Pyroaktion auf der Nordtribüne im letzten Heimspiel auseinander.

#19 SCF vs. Hertha

Spenden für Choreo gegen Bayern

21/01/2017

Beim Heimspiel gegen den FC Bayern München wurde von uns eine aufwändige und kostenintensive Choreo durchgeführt. Um die Materialkosten zu bezahlen, bitten wir um Spenden:

Corrillo Freiburg
IBAN: DE71 1001 0010 0039 4701 26
BIC: PBNKDEFFXXX
Postbank

Alternativ könnt ihr auch über Paypal spenden. Unser E-Mailadresse für Spenden lautet:
spende@corrillo.org

Die Kosten setzen sich folgendermaßen zusammen:

Folie, Stoff für Figur, Spruchband und Folienbahnen: 1631,98 €
Farbe, Kabelbinder, Eimer etc.. 256,00 €
Malerzubehör & Stifte: 58,53 €
Schnüre: 40,80 €
Flyer: 52 €

FC Bayern München AG – eine Gefahr für den Fußball

17/01/2017

Zum ersten Spiel im neuen Jahr ist der Rekordmeister zu Gast an der Dreisam. Der FC Bayern, genauer gesagt die FC Bayern München AG, ist das Non­plus­ul­t­ra in der Bundesliga. Die jährliche Meisterschaft und auch das Halbfinale der Champions League sind zum Mindestanspruch geworden.
Mit dem sportlichen Erfolg und rund 620 Millionen Euro Jahresumsatz ist die FC Bayern München AG eindeutiger Marktführer im deutschen Fußball, das Aushängeschild der Liga und auch in Europa einer der größten 5 Clubs.
Doch es ist bekanntlich nicht alles Gold, was glänzt. Deshalb wollen wir Euch vor diesem Spiel eine kritische Betrachtung der Rolle des FCB im Fußball liefern:
Die FC Bayern München AG – eine Gefahr für den Fußball. Einfach nur großer Quatsch? Anhänger eines kleinen Vereins, der wohl nie die Meisterschaft gewinnen wird, die einfach Mal ihren Frust am großen FC Bayern auslassen wollen?

Die Bayern – Ein uneinholbarer „Global Super Club“
Werfen wir doch mal einen Blick in den aktuellen Jahresbericht der UEFA: Neun Top-Clubs in Europa sind laut dem Bericht zu mächtig. Der einzige deutsche Club unter ihnen: die FC Bayern München AG.
Diese Clubs sind so wohlhabend, dass es laut der UEFA für andere Clubs keine realistische Chance gibt, sie finanziell einzuholen. Und die Kluft zwischen den ‚Global Super Clubs‘, wie sie die UEFA nennt, und den anderen Vereinen in Europa geht immer weiter auseinander.

Ein paar Beispiele:

  • Die Einnahmen der ‚Global Super Clubs‘ wuchsen in den letzten 6 Jahren um 148%. Die der anderen Vereine in Europa um nur 17%.
  • Die Sponsoring-Einnahmen steigen im Schnitt um 5%, die der 15 Größten allerdings um mehr als 75%. Das bedeutet zusätzliche 100 Millionen für jeden ‚Global Super Club‘. Der Zuwachs bei den restlichen Vereinen beträgt im Schnitt nur 1 Millionen Euro.

Wie ist das möglich? Fußballvereine, wie der Sport-Club Freiburg, generieren ihre Marketing- und Sponsoreneinnahmen mit Trikotwerbung und (kleineren) nationalen und lokalen Sponsorendeals. Die ‚Global Super Clubs‘ schaffen es eine große, weltweite und wachsende Anhängerschaft zu Geld zu machen – ermöglicht durch polarisierende Stars, Reisen ins Ausland und ständiger Präsenz in der Champions League.

Profiteur Bayern München
Und mitten dabei: der FC Bayern München mit einer ausgegliederten Fußballabteilung an der Adidas, Audi und die Allianz jeweils 8,33% der Anteile halten. Auch wenn der FC Bayern seinen Anhängern zusagt nicht mehr als 49% seiner Anteile zu verkaufen, gibt es von Präsident Uli Hoeneß eine klare Haltung zur 50+1 Regel: „Ich bin total für die Abschaffung der 50+1-Regel.“

Brauchen wir wirklich einen Fußball, der von noch mehr Investoren gelenkt wird? Oder halten wir es mit Christian Streich der sagt: „Der Verein gehört den Menschen und Mitgliedern, die sich mit ihm identifizieren“?
Der Trend geht auch beim Global Super Club Bayern München nur in eine Richtung: Allein im letzten Jahr konnte er die Sponsoreneinnahmen um 49% steigern. Und damit nicht genug: Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenige hat sich als Vorsitzender der Europäischen Clubvereinigung ECA stark für die Champions League-Reform eingesetzt.  Das Ergebnis: Die FC Bayern München AG rechnet zukünftig mit einem Anstieg der Einnahmen durch die Champions League um 70%. „Die Schere geht immer weiter auseinander“, äußerte sich Fritz Keller zu dieser Reform vollkommen richtig. Am Ende geht es immer um noch mehr Geld, das letztendlich auch durchgereicht wird: An Spieler, Berater, Funktionäre & Aktionäre. Es bietet keinen Mehrwert für die Menschen, die sich für Verein & Sport begeistern. Wann werden dieser Entwicklung endlich Grenzen gesetzt?
Die Internationalisierung ist für Bayern München laut eigenen Angaben alternativlos. Vor einigen Jahren gründete der Club ein Büro in New York; mit der Gründung der FC Bayern Munich Shanghai Co. Ltd. im letzten Jahr will er die Präsenz in Asien ausbauen. Für dieses Jahr ist dann auch schon eine Asientour geplant. Jörg Wacker, Vorstand des FCB, hat ein klares Ziel formuliert: Die Marke FC Bayern München soll im Ausland 365 Tage im Jahr sichtbar sein.

Ist es das, worum es einem deutschen Fußballverein gehen sollte oder hat sich der FCB von dem Model eines reinen Fußballclubs schon lange entfernt?
In erster Linie ist man ein Fußballclub! Das zumindest haben die Funktionäre in den letzten Tagen wieder vermehrt betont, als ihr Wintertrainingslager in Katar aufgrund der Menschenrechtslage zum wiederholten Male zu Recht in der Kritik stand. Auch nach der erhöhten Aufmerksamkeit durch die zweifelhafte WM-Vergabe der FIFA hat sich die Situation für Arbeitnehmer in Katar wenig gebessert. Mittlerweile ist es als Arbeitgeber sogar legal, ausländischen Arbeitern die Pässe zu entziehen. Wer das Land verlassen will, muss nach Erlaubnis fragen. Leben in miserablen Unterkünften, geringere Bezahlung als versprochen; das ist in Katar nach wie vor an der Tagesordnung.
Auf laute Kritik der Bayern wartet die Öffentlichkeit auch in diesem Jahr vergebens. Trainiert wurde auf dem Gelände der Aspire Academy, bei deren Errichtung es laut Amnesty zu zahlreichen Fällen von Zwangsarbeit oder Ausbeutung gekommen sein soll. Vor einem Jahr wurde erst ein neuer Sponsorenvertrag mit dem Flughafen in Doha abgeschlossen. Der Wert der Partnerschaft scheint wohl wichtiger als der Wert der sozialen Verantwortung zu sein, mit denen sich die Bayern auf ihrer Homepage brüsten. „Gerade die Erfolgreichen müssen den Schwächeren helfen“, wird Uli Hoeneß dort zitiert. Mit der Ernsthaftigkeit hält er es wohl wie mit dem Steuern zahlen.
Wenn es darum geht Verantwortung zu übernehmen die über den Sport hinausgeht, wird darauf verwiesen, nur ein Fußballclub zu sein. Ansonsten agiert die FC Bayern München AG, wie eine Aktiengesellschaft nun mal agiert: das Ziel heißt Wachstum & Gewinnmaximierung.

Der falsche Weg für die Bundesliga
Was für eine Rolle spielt der FC Bayern nun in der Bundesliga? Als Marktführer gibt er die Trends & Richtung vor. Wer in der Bundesliga mithalten will, muss den Weg des Wachstums mitgehen. Es ist die Dynamik des Wettbewerbs – jeder will nur mithalten. Ein verzweifeltes Hinterherlaufen hinter einem uneinholbaren FCB. Doch der Fußball muss aufpassen, dass er dabei nicht über das Ziel hinausschießt und seine Seele verliert.
Football Leaks hat aufgedeckt, wie schmutzig es in Teilen des Fußballgeschäftes zugeht. Diese Entwicklung gilt es nicht nur aufzuhalten, sie muss zurückgedreht werden. Doch es ist nicht einfach, den Weg des FC Bayern nicht mitzugehen. Wer sich dagegen entscheidet, verzichtet in der Regel auch auf zusätzliches Geld, was wiederum einen Wettbewerbsnachteil bedeutet.
Wir brauchen daher endlich mehr Diskussionen über Grenzen des Wachstums im Fußball; Diskussionen über die Rolle, den Zweck und die Verantwortung von Profivereinen. Zeit auch für den Sport-Club Freiburg, aktiv zu werden und diese Diskussionen anzustoßen.

Januar 2017 – Corrillo Ultras