Quarantäne für den Fußball – Geisterspiele sind keine Lösung!

15/04/2020

Die Frage, wann und in welcher Form wieder Profifußball gespielt werden darf, wurde in den vergangenen Tagen und Wochen viel diskutiert. In der nach wie vor teils unübersichtlichen gesellschaftlichen Situation wurden von verschiedenen Akteuren eine Vielzahl ethischer, epidemiologischer und anderer Argumente ins Feld geführt. Im Folgenden möchten wir uns, als bundesweiter Zusammenschluss der Fanszenen und mit Blick auf die DFL-Vollversammlung, zu dem Thema äußern:

Die Wiederaufnahme des Fußballs, auch in Form von Geisterspielen, ist in der aktuellen Situation nicht vertretbar – schon gar nicht unter dem Deckmantel der gesellschaftlichen Verantwortung. Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all denjenigen, die sich in der Corona-Krise wirklich gesellschaftsdienlich engagieren.Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne. 

Wir vertreten die klare Position, dass es keine Lex Bundesliga geben darf. Fußball hat in Deutschland eine herausgehobene Bedeutung, systemrelevant ist er jedoch ganz sicher nicht. Beschränkungen, die für vergleichbare Bereiche der Sport- und Unterhaltungsindustrie gelten, müssen auch im Fußball Anwendung finden. In einer Zeit, in der wir alle sehr massive Einschränkungen unserer Grundrechte im Sinne des Gemeinwohls hinnehmen, ist an einen Spielbetrieb der Bundesligen nicht zu denken. Wenn seit Wochen über einen Mangel an Kapazitäten bei CoVid-19-Tests berichtet wird, ist die Idee, Fußballspieler in einer extrem hohen Taktung auf das Virus zu untersuchen, schlicht absurd. Ganz zu schweigen von der Praxis eines Fußballspiels mit Zweikämpfen, eines normalen Trainingsbetriebes in Zeiten von Versammlungsverboten und eines gemeinsamen Verfolgens potenzieller Geisterspiele durch Fans.

Die Rede von gesellschaftlicher Verantwortung und Pläne für exklusive Testkontingente (über 20.000 Stück) für den Profifußball passen nicht zusammen. Wir verstehen, dass Vereinsfunktionäre durchaus rechtliche Verpflichtungen haben, im Sinne des finanziellen Wohls ihres Vereins zu handeln. In einer Situation jedoch, in der die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft vor enormen Herausforderungen stehen, ist es für uns nicht nachvollziehbar, dass offenbar sämtliche Bedenken hintenangestellt werden, wenn es darum geht, den Spielbetrieb möglichst lange aufrechtzuerhalten, bzw. erneut zu starten.

Ganz offensichtlich hat der Profifußball viel tieferliegende Probleme. Ein System, in das in den letzten Jahren Geldsummen jenseits der Vorstellungskraft vieler Menschen geflossen sind, steht innerhalb eines Monats vor dem Kollaps. Der Erhalt der Strukturen ist vollkommen vom Fluss der Fernsehgelder abhängig, die Vereine existieren nur noch in totaler Abhängigkeit von den Rechteinhabern. 

Die Frage, weshalb es trotz aller Millionen keinerlei Nachhaltigkeit im Profifußball zu geben scheint, wie die Strukturen und Vereine in Zukunft robuster und krisensicherer gemacht werden können, wurde zumindest öffentlich noch von keinem Funktionär gestellt. Das einzig kommunizierte Ziel ist ein möglichst schnelles ,,Weiter so!‘‘, das jedoch lediglich einer überschaubaren Zahl an Beteiligten weiterhin überragende Einkünfte garantiert. Das Gerede von zigtausenden Jobs halten wir schlicht in den meisten Fällen für einen Vorwand, weiterhin exorbitante Millioneneinkünfte für wenige extreme Profiteure zu sichern. Dies zeigt sich auch in der absoluten Untätigkeit des DFB, im Hinblick auf den Fußball unterhalb der 2. Bundesliga. Dass Geisterspiele hier viel stärkere Folgen hätten, als in den Ligen der DFL, wird ausgeblendet. Hauptsache das „Premiumprodukt“ kann weiterexistieren. Hier wird der DFB seiner Rolle nicht nur nicht gerecht, er zeigt auch wiederholt, wessen Interessen er vertritt.

Seit Jahren fordern Fans Reformen für eine gerechtere Verteilung der TV-Einnahmen und kritisieren die mangelnde Solidarität zwischen großen und kleinen Vereinen. Wir weisen auf Finanzexzesse, mangelnde Rücklagenbildung und die teils erpresserische Rolle von Spielerberatern hin. Die Gefahr der Abhängigkeit von einzelnen großen Geldgebern haben wir anhand von Beispielen wie 1860 München, Carl Zeiss Jena und anderen immer wieder aufgezeigt.

Spätestens jetzt ist es aller höchste Zeit, dass sich Fußballfunktionäre ernsthaft mit diesen Punkten auseinandersetzen. Die jetzige Herausforderung ist auch eine Chance: Die Verbände sollten diese Krise als solche begreifen und die Strukturen des modernen Fußballs grundlegend verändern. Es ist höchste Zeit!

In diesem Zusammenhang fordern wir:

  • Der aktuelle Plan der DFL, den Spielbetrieb im Mai in Form von Geisterspielen wieder aufzunehmen, darf nicht umgesetzt werden. Wir maßen uns nicht an, zu entscheiden, ab wann der Ball wieder rollen darf. In einer Situation, in der sich der Fußball auf diese Weise so dermaßen vom Rest der Gesellschaft entkoppeln würde, darf es jedoch nicht passieren. 
  • Eine sachliche Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage muss forciert und eine Abkehr vom blinden Retten der TV-Gelder vollzogen werden. Auch ein möglicher Abbruch der Saison darf kein Tabu sein, wenn die gesellschaftlichen Umstände es nicht anders zulassen. In diesem Fall sollten nicht nur Horrorszenarien in Form von drohenden Insolvenzen skizziert werden, sondern Lösungsmöglichkeiten in Form von Förderdarlehen, erweiterten Insolvenzfristen und anderen Kriseninstrumenten, denen sich auch die restliche Wirtschaft stellt, diskutiert werden. 
  • Eine kommende Lösung muss maximal solidarisch sein. Es darf unter den Vereinen keine Krisengewinner – und verlierer geben. Die Schere zwischen ,,groß‘‘ und ,,klein‘‘ darf nicht noch weiter auseinandergehen. Ausdrücklich schließen wir damit auch die Vereine der dritten Liga und der Regionalligen mit ein, für die Geisterspiele ohnehin keine Option sind.
  • Die Diskussion über grundlegende Reformen, um den Profifußball nachhaltiger und wirtschaftlich krisensicherer zu gestalten, muss jetzt beginnen. Sie darf nicht nur von Fans und Journalisten geführt werden, sondern ist die zentrale Aufgabe der Verantwortlichen der Clubs und Verbände. Strukturen und Vereine müssen auf einen finanziell und ideell sicheren Boden zurückgeholt werden. Dabei muss die 50+1-Regel weiterhin unberührt bleiben. 

Die Phase einer von der restlichen Gesellschaft komplett entkoppelten Fußballwelt muss ein Ende haben!

 
Fanszenen Deutschlands im April 2020

Audio-Aufzeichnung der Podiumsdiskussion zwischen Vertreter*innen der Freiburger Ultras, Fans, Polizei & Innenministerium-BW

29/03/2020

Die Polizei Freiburg geht seit Jahren immer wieder unverhältnismäßig repressiv gegen die aktive Fanszene vor. Die eskalierende Einsatzstrategie der Polizei bei Heimspielen des SC Freiburg war Thema einer Podiumsdiskussion Anfang Februar. Ein Vertreter der Corrillo Ultras, eine Vertreterin der Supporters Crew Freiburg, einer der zuständigen Einsatzleiter Gabriel Winterer, der Leiter der Landesinformationsstelle Sporteinsätze im Stuttgartern Innenministerium Uwe Stahlmann und Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte diskutierten die zugespitzte Situation zwischen Fans und Polizei.

Die Podiumsdiskussion hat die zwingende Notwendigkeit einer Kehrtwende der Einsatzstrategie der Polizei Freiburg gezeigt. Wir fordern deshalb:
– Ende des Kleinkriegs der Polizei gegen die Fanszene, mit oder ohne Einsatzleiter Gabriel Winterer
– Kursänderung der Polizei Freiburg hin zu einer deeskalativen Einsatzstrategie
– Reduzierung des Polizeiaufgebots bei Heimspielen auf ein notwendiges Mindestmaß in quantitativer und qualitativer Hinsicht
– kritische Aufarbeitung von fragwürdigen Einsätzen und Etablierung einer Fehlerkultur seitens der Polizei

Wir dokumentieren die Diskussion auf Soundcloud und YouTube für euch:

Geisterspiele und aktuelle Situation

12/03/2020

Wie bereits bekannt gegeben, hatten wir sowieso nicht vor, unser Auswärtsspiel in Leipzig am Samstag zu besuchen. Die Entscheidung, bei diesem Spiel keine Zuschauer zuzulassen, trifft uns daher nicht. Anders sieht es nächste Woche aus: Beim Heimspiel gegen Werder Bremen hätten wir unser Team gerne im Stadion unterstützt. Doch auch bei diesem Spiel sind Zuschauer verboten. Von einem Aufruf, das Spiel zusammen in Stadionnähe oder irgendwo anders zu verfolgen, sehen wir aber ab. Stattdessen appellieren wir an jeden Fan, verantwortungsbewusst zu handeln. Zeigt Solidarität gegenüber denjenigen, die gefährdeter sind als ihr selbst!

Fußballspiele ohne Fans sind sinnlos. Die ersten Fälle von positiv getesteten Profispielern machen einen fairen Wettbewerb auch aus sportlicher Sicht unmöglich. Von der DFL verlangen wir daher eine sofortige Unterbrechung der Bundesliga-Saison!

Kollektivstrafen zum „Schutze“ eines Milliardärs – der DFB zeigt erneut sein wahres Gesicht

06/03/2020

In den vergangenen Wochen wurde die Fußballöffentlichkeit erneut Zeuge der Doppelmoral und Demokratiefeindlichkeit der Vertreter des sogenannten „modernen Fußballs“. Ihren Höhepunkt erreichte die Absurdität vorerst am vergangenen Wochenende.

Sich gegenseitig übertreffend fabulierten Dietmar Hopp, Karl-Heinz Rummenigge und der DFB selbst, neben abgehalfterten D-Prominenten des Fußballs über „Würde“, „Moral“ und „Respekt“. Dieselben Personen, die im Falle Hopp daran arbeiten, dass der Fußball der Zukunft von hochgezüchteten Retortenvereinen mit unkritischem Klatschpublikum beherrscht wird und der ungebetenen Meinungen gerne mit einem Hochfrequenzgerät begegnet, welches Körperverletzungen nach sich zieht. Oder die, im Fall Rummenigge, Trainingslager in Katar abhalten, einem Land, welches Menschenrechte und somit die oben erwähnten Werte mit Füßen tritt. Ein Land, welches auch aufgrund der DFB-Funktionäre die Weltmeisterschaft 2022 austragen wird. In Anbetracht der nicht aufgeklärten gekauften WM 2006 ist auch hier davon auszugehen, dass sich die Herren das einige teure Uhren haben kosten lassen.

Diese moralisch alles andere als integren Personen und Strukturen wollen uns Fans nun erzählen, was Anstand ist und stören sich an der zugespitzten Wortwahl, mit der wir unsere Kritik äußern. Nur, wenn es keine Möglichkeit gibt, grundlegende Veränderungen im deutschen Fußball zu erreichen, müssen wir eben zu drastischeren Maßnahmen greifen. Dass es keine andere zielführende  Möglichkeit gibt, haben die von uns geführten Gespräche mit den Verbänden gezeigt, die letztlich nicht mehr waren als ein großer Scheindialog.

Die tatsächliche Schande der vergangenen Wochen liegt im Verhalten der Verbände, allen voran des DFB. Zuerst wurden die öffentlichkeitswirksam ausgesetzten Kollektivstrafen wieder eingeführt. Wohlgemerkt, in einer von einem Fußballverband geschaffenen Paralleljustiz. Diese verfassungswidrige Art der Bestrafung ist mit unserem Verständnis von Demokratie nicht in Einklang zu bringen. Indem der DFB diese nun wieder ausspricht, offenbart er nicht nur erneut sein verzerrtes Bild von Rechtsstaatlichkeit, sondern beweist auch eindrücklich, dass er nur solange an Veränderungen und Dialog interessiert ist, solange sein Geschäft nicht ernsthaft gestört wird. Nicht einmal die wenigen Fanorganisationen, die noch mit dem DFB im Dialog stehen, wurden über die „neue Linie“ des Verbandes informiert, geschweige denn, deren Meinung eingeholt. Der DFB zeigt wiederholt, dass er kein ernsthaftes Interesse an einem Dialog mit Fans verfolgt. Unter Fritz Keller scheint sich auch hier leider nichts zum Positiven verändert zu haben.

Darüber hinaus sollen von nun an zum Wohle eines Milliardärs sämtliche „Diskriminierungen“ und „Beleidigungen“ sanktioniert werden, bei Wiederholungen droht ein Spielabbruch. Eine Selbstoffenbarung seiner eigenen Unabhängigkeit lieferte der DFB bereits, in dem er im Vorfeld des Spieltags eine Einflussnahme von Vereinsfunktionären und Absprachen zuließ. Der erste Spieltag mit dieser Regelung hat gezeigt, worum es den Verantwortlichen und dem DFB wirklich geht, um schlichte Zensur. Anders ist die Unterbrechung in Meppen nicht zu erklären. Auch, wenn die Verbände jetzt wieder ein Stück weit zurückrudern, zeigt sich klar, in welche Richtung es gehen soll und wird.

Wir sind nicht gutgläubig und waren es auch nie. Und so lassen wir uns auch diesmal nicht blenden. Es geht hier weder um antirassistisches Engagement, noch um Diskriminierung und schon gar nicht um Anstand und Werte. In diesem Falle hätte sich der DFB in der Vergangenheit entschiedener, auch im eigenen Dunstkreis, positionieren müssen. Dieses geschah, wie zu erwarten nicht. Es geht schlichtweg um die Bekämpfung unserer Fankultur und unserer Werte. Die Profiteure des Geschäfts „Fußball“ versuchen mit diesem scheinbar verfänglichen Thema die Fankurven zu spalten, um letztlich die aktiven Fanszenen zu entfernen. Denn diese sind es, die stets den Finger in die Wunde legen und sich für demokratische Vereine, effektive Mitbestimmung im Fußball, für den Erhalt der 50+1 Regel, für bezahlbare Eintrittskarten und fangerechte Anstoßzeiten einsetzen und somit letztlich für das, was uns Fans die Identifikation mit diesem Sport noch halbwegs gelingen lässt.

Aber dieses Engagement ist dem DFB und seinen Verbündeten ein Dorn im Auge, welchen es zu bekämpfen gilt. Diesen Kampf nehmen wir auch weiterhin gerne an, denn wir haben keine andere Wahl, als ihn zu führen, wenn wir unseren Fußball zumindest teilweise noch erhalten wollen. Dieser Kampf kann plakativ, zugespitzt und provokant geführt werden oder tiefgründig und differenziert – wichtig ist, dass wir ihn führen!

Denn wir Fans sind die Basis und die Seele des Fußballs und wir lassen uns weder von Kollektivstrafen, noch von Spielunterbrechungen davon abhalten, für unsere Sache einzustehen.

Wir fordern und erwarten daher:

  • Kollektivstrafen abschaffen! Es wird Zeit, dass der DFB sein mittelalterliches Rechtsverständnis für alle Zeit hinter sich lässt und Kollektivstrafen nicht nur aussetzt, sondern seine Rechts- und Verfahrensordnung diesbezüglich ändert und damit das Instrument der kollektiven Bestrafung abschafft. Im gleichen Zuge erwarten wir die sofortige Aufhebung der gegen Borussia Dortmund ausgesprochenen Zuschauerausschlüsse.
  • Die wirklich hässlichen Gesichter des Fußballs bekämpfen! Der Fußball ist kaputt. Wirtschaftliche Interessen werden hofiert, das System sorgt dafür, dass reiche Clubs immer reicher werden, in den Verbänden steht Korruption an der Tagesordnung und um Menschenrechtsverletzungen schert man sich einen Dreck. Nicht erst seit den „Football Leaks“- Enthüllungen ist bekannt, dass Verbände und Vereine sich an diesen Zuständen nicht stören – im Gegenteil, sie fördern sie sogar. Hier muss endlich gegengesteuert werden, sollte den Herren wirklich etwas am Fußball liegen!

Wer nur am maximalen Profit orientiert ist, Werte deshalb nur zu seinem (Wettbewerbs-)Vorteil benennt und sich mit jahrelanger Kritik von Fans nicht ehrlich auseinandersetzt, macht sich lächerlich, wenn er sich als Hüter der Moral inszeniert. Wir Fans werden die Praxis vom letzten Spieltag nicht einfach so hinnehmen und im Zweifel weiter Unterbrechungen und auch Abbrüche in Kauf nehmen.

Fick dich DFB!                                                                                                                                                                                                                                                                                             Fanszenen Deutschlands im März 2020

Nazis raus – mit allen Mitteln / WDR-Beitrag „Proteste gegen die AfD“

05/03/2020

Am gestrigen Abend erschien ein Sport-Inside-Beitrag im WDR bezüglich des Umgangs von Fans und Vereinen mit der AFD, in welchem auch unser Protest gegen den rechten Stadtrat Dubravko Mandic und dem Umgang der SC-Verantwortlichen damit thematisiert wird.
 
Die Geschehnisse
Zum ersten Heimspiel der laufenden Saison kündigte Mandic einen Stadionbesuch an, woraufhin mehrere Freiburger Gruppen ihren Unmut darüber in Form von Spruchbändern auf der Nordtribüne zeigten. Eines davon lautete „Mandic du Nazi verpiss dich“. Aufgrund dieses Spruchbandes erstattete Mandic Anzeige wegen Beleidigung. Dies veranlasste die Freiburger Polizei dazu, mehrmals mit unverhältnismäßiger Härte gegen unsere gesamte Gruppe, aber auch gegen einzelne Personen vorzugehen. So wurden Personen unter Gewaltandrohung von der Gruppe separiert, um sie daraufhin bloßstellend durch das ganze Stadion zur Stadionwache abzuführen. Dort mussten sie eine Leibesvisitation mit Blick und Griff in den Genitalbereich über sich ergehen lassen. Auch wurde in einem Fall ein Fan, welcher das polizeiliche Vorgehen dokumentieren wollte von der Polizei dazu gezwungen, die von ihm angefertigten Videoaufnahmen von einem der Vorfälle zu löschen. Dies alles passierte aufgrund des Vorwurfs einer Beleidigung eines Nazis und der damit zusammenhängenden Personalienfeststellungen.

Monate des Schweigens
Es folgten Monate des Schweigens in denen wir als Gruppe von Seiten des Vereins alleine gelassen wurden. Trotz mehrfacher Aufforderung an den SC Freiburg sich deutlich hinter seine Fans zu stellen, positionierten sich lediglich mehrere Fraktionen des Freiburger Gemeinderats und forderten die Polizei auf, die Ermittlungen einzustellen. Die SC-Verantwortlichen konnten den festgelegten Ansprüchen und Prinzipien des Vereins, sich gegen rechte Umtriebe im Stadion zu positionieren, zu keiner Zeit gerecht werden.
 
SC-Kritik an Polizeieinsätze – bedauern auf Seiten der Fans
Im aktuellen TV-Beitrag kritisiert SC-Vorstand Oliver Leki die Polizeieinsätze. Zugleich erwecken die Ausschnitte jedoch den Anschein, dass Herr Leki ein größeres Problem mit unserer angeblichen Beleidigung hat. Auch wenn der SC Freiburg seinen Umgang mit der AfD wohl noch finden muss, bedauern wir das vergangene Verhalten und die fehlende deutliche Positionierung des Vereins sehr.
 
Jetzt handeln – Nazis raus
Die Verantwortlichen des SC Freiburg müssen nun endlich handeln und sich mit voller Härte und allen Mitteln gegen den Rechtsruck und alle dafür verantwortlichen Menschen positionieren. In der Satzung unseres Vereins heißt es: Der Sport-Club Freiburg e.V. tritt verfassungs- und fremdenfeindlichen, rassistischen und sexistischen Bestrebungen entschieden entgegen. Dafür werden wir als Fans uns weiterhin stark machen. Das heißt auch, dass wir als Corrillo Ultras weiterhin Nazis als Nazis bezeichnen und mit allen Mitteln gegen diese vorgehen werden.

In unseren Herzen wirst Du weiter leben, Amr!

28/02/2020

Amr Fahmy ist letzte Woche verstorben. Der Vater einer 3 Monate alten Tochter war seit 8 Jahren regelmäßiger Gast im Dreisamstadion und unterstützte den Sport-Club Freiburg e.V. auch immer wieder bei unzähligen Auswärtsspielen. Er war ein Freund der Nordtribüne und der Freiburger Fanszene.

Als Generalsekretär des afrikanischen Fußballverbandes deckte er kürzlich korruptes Verhalten im Verband auf. Als Konsequenz wurde er entlassen. Amr ließ sich davon nicht einschüchtern und steckte auch weiterhin viel Zeit in die Aufdeckung von Korruption im afrikanischen Fußball. Die Nordtribüne dankte seiner Courage mit einem Spruchband im April letzten Jahres: „Fight corruption, not the truth – Choukran Amr“.

Spruchband für Amr im April 2019

Als Gründer der Ultras Ahlawy im Jahr 2007 supportete er nicht nur seinen Klub Al Ahly Kairo, sondern bekämpfte im arabischen Frühling 2011 auch erfolgreich das autokratische Regime. Den Kampf gegen seine schwere Krankheit konnte er dagegen nicht gewinnen. Im Alter von nur 36 Jahren ist er viel zu früh von uns gegangen. Seine Ausstrahlung, seine Offenheit, sein einzigartiger Charakter und sein riesiges Interesse werden uns für immer in Erinnerung bleiben.

Amr bei seinem letzten Besuch im Dreisamstadion – August 2019

Unser Mitgefühl gilt Amrs Familie und seinen Freunden. Wir haben zusammen gesungen und Du bist alleine gegangen. In unseren Herzen wirst Du weiter leben, Amr!

كنا نغني سوياً ، تركتني وذهبت وحيداً

07.02. Vortrag & Podiumsdiskussion „Wie Hund und Katz, das schwierige Verhältnis zwischen Fans und Polizei“

27/01/2020
Spruchband-Aktion gegen das unsägliche Verhalten der Freiburger Polizei

Über das seit Jahren schlechte Verhältnis sowie die repressive Arbeit der Polizei Freiburg berichten wir auf corrillo.org regelmäßig. Bei einer Podiumsdiskussion werden wir uns unter anderem mit möglichen Einsatzstrategien und den Ansichten der teilnehmenden Verantwortlichen aus dem Innenministerium und der Freiburger Polizei auseinander setzen.

Christoph Ruf greift das Spannungsverhältnis zwischen Polizei und Fußballfans auf und führt mit seinem Vortrag in das Thema ein. Im Anschluss diskutieren verschiedene Akteure auf dem Podium über die Situation in Freiburg, Handlungsbedarfe und Veränderungsmöglichkeiten.

Auf dem Podium:
– Uwe Stahlmann (Leiter der Landesinformationsstelle Sporteinsätze im Stuttgarter Innenministerium)
– Gabriel Winterer (Leiter des Polizeireviers Freiburg-Süd)
– Volker Goll (Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj)
– Helen Breit (Supporters Crew Freiburg e.V.)
– Marius Kanzinger (Corrillo Ultras)

Ablauf:
– 18.00 Uhr Ankommen
– 18.30 Uhr Begrüßung und Start Vortrag Christoph Ruf
– 19.15 Uhr kurze Pause und Übergang in die Podiumsdiskussion
– Ende gegen 22.00 Uhr

Wo:
Universität Freiburg (KG I), HS 1015 (Eingang am Platz der alten Synagoge)

Der Eintritt ist frei. Der Abend wird vom Fanprojekt Freiburg veranstaltet.

Polizeibericht 18.12.2019 zur Begegnung SC Freiburg vs. Bayern München

21/12/2019

Mit Schlagstock für die AfD 

Nach Ende der Partie SC Freiburg gegen Bayern München verließ unsere Gruppe gemeinsam das Dreisamstadion in Richtung Dreisamuferweg. Ohne Vorwarnung und aus der Dunkelheit kommend stürmte eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (kurz BFE) aggressiv in die wartenden Fans hinein, um einen Fan von der Gruppe zu separieren. Gleichzeitig wurden die restlichen Fans von etlichen Einsatzkräften der Bereitschaftspolizei eingekesselt. Teile der Polizisten hatten dabei ihre Schlagstöcke gezückt und im Ansatz zum Schlag gehalten, in mindestens einem Fall wurde auch gegen einen Fan mit diesem ausgeholt. Obwohl sich alle Fans zu keiner Zeit aggressiv verhalten hatten, versuchte die Polizei erfolglos die Situation zu eskalieren. 

Der in Gewahrsam genommene Fan wurde nachfolgend von der BFE über die Osttribüne in Richtung Stadionwache wie ein Schwerverbrecher abgeführt. Ein weiterer Fan, welcher die Ingewahrsamnahme und das Abführen gefilmt hatte, wurde gleichzeitig von anderen Mitgliedern der BFE aufgegriffen und ebenfalls abgeführt.

Auf der Stadionwache wurde dem betroffenen Fan berichtet, dass er der Beleidigung verdächtigt werde – womit es sich um das Zeigen eines Spruchbandes gegen den rechtsextremen Stadtrat Mandic handelt. Da nach Sicht der Freiburger Polizei für die Ermittlungen wegen einer Beleidigung eine einfache Personalienaufnahme nicht auszureichen scheint, musste er sich dem gleichen Prozedere unterziehen, wie bereits vor knapp drei Monaten ein minderjähriger Fan im gleichen Fall: Eine Körperkontrolle mit Griff und Blick in den Genitalbereich und dem Filzen sämtlicher persönlicher Gegenstände.

Der filmende Fan wurde in der Zwischenzeit in einer anderen Zelle ebenfalls durchsucht und durfte dabei unter anderem minutenlang barfuß auf dem kalten Zellenboden stehen. Er wurde von den Polizisten der BFE gezwungen, sein Mobiltelefon zu entsperren und das Videomaterial vor zwei anwesenden Polizisten zu löschen. Anschließend wurde ihm ohne weitere Begründung sein Mobiltelefon abgenommen und dieses in einen anderen Raum gebracht. Was mit dem Mobiltelefon bis zur Aushändigung an den Fan in der Zwischenzeit passiert ist, kann nur die Freiburger Polizei beantworten. Rechtsstaat? Fehlanzeige!

Polizei macht sich zum Handlanger von rechtsradikalem AFD-Stadtrat

Zum wiederholten Male geht die Polizei wegen vermeintlicher Beleidigung maßlos gegen SC-Fans vor.

Wir verurteilen das eskalative Verhalten der Freiburger Polizei unter der Führung von Gabriel Winterer aufs Schärfste. Die Einsatztaktik ist nicht nur in Bezug auf die Vorwürfe gegen die betroffenen Fans vollkommen überzogen, sie ist zudem auf reine Eskalation ausgelegt. Man stürmt nicht mit gezücktem Schlagstock im Dunklen in eine wartende Gruppe von friedlichen Fans. Auch sollte niemand wegen des Vorwurfs einen Nazi „beleidigt“ zu haben im Anschluss so erniedrigend behandelt werden. Verlässt hier die Freiburger Polizei ihre politische Neutralität? 

Kein zufälliger Zeitpunkt 

Zusätzlich hinterfragen wir den Zeitpunkt der Maßnahme. Seit dem Vorfall sind bereits etliche Heimspiele verstrichen bei denen der betroffene Fan im Dreisamstadion anwesend war. Es ist sicherlich kein Zufall, dass der Zugriff erst Monate später bei genau dem Spiel passiert, bei dem sich vor Anpfiff hunderte Fans auf der Nordtribüne gegen das eskalative und unverhältnismäßige Verhalten der Freiburger Polizei positionieren.

Politik verurteilt Freiburger Polizei und fordert baldige Einstellung der Ermittlungen 

Die Fraktion EINE STADT FÜR ALLE erklärt sich am 20.12. „solidarisch mit dem Protest aus den Reihen der SC-Fans“ und fordert eine baldige Einstellung der Ermittlungen.

Es ist zwingend notwendig und an der Zeit, dass sich auch politische Verantwortliche einschalten und die Freiburger Polizei für ihr Fehlverhalten rügen.

8. Februar – Soli-Konzert und Party – LOS FASTIDIOS – Das Blanke Extrem /// LUDOVIKO & T.A.N.N.E. (YOUTH LIFE)

17/12/2019

Am 8. Februar (nach dem Heimspiel) veranstalten wir im Artik-Freiburg ein Soli-Konzert mit anschließender Party. Einlass ab 19:00 Uhr.

Soli-Konzert
20:00 Uhr bis 00:00 Uhr

Los Fastidios
Sie sind eine der wichtigsten antifaschistischen Oi- und Streetpunk-Bands Italiens.
Im Jahre 1991 in Verona gegründet, touren Sie quer um die Welt und vereinen den Sound von Rock & Roll, Punk und Ska zu einem tanzbaren Cocktail und präsentieren dazu seit Jahren engagierte gesellschaftskritische Texte. Seit 2019 ist das neue Album „Joy Joy Joy“ draußen.

Das Blanke Extrem
Im Oktober veröffentliche die 2018 gegründete Freiburger Band ihre erste LP „Alles in schönster Ordnung“. Extrem hörenswert, extrem gut tanzbar und voller Energie.

In diesem Sinne: Stay rude, stay rebel, stay free, let’s stand up. Always stay yourself!

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Party
ab 00:00 Uhr

LUDOVIKO & T.A.N.N.E. (YOUTH LIFE)

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Vorkasse: 12 Euro
Abendkasse: 15 Euro
Party: 10 Euro
Vorverkauf: STiLL iLL (Turmstraße 16), Kyosk (Adlerstraße 2)

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Einlass ist um 19 Uhr, los geht’s ab 20 Uhr.
Anschließend ab 00:00 Uhr Party.

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Ein Teil der Einnahmen fließt in unsere Solikasse.

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Die Facebook-Veranstaltungen:
Konzert: Los Fastidios & Das Blanke Extrem